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 Kapitel 6 - Zwiespalt

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Jequn


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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Do Aug 09, 2012 11:49 am

Immer wieder musterte Jequn die Fähe, ehe sie zu ende gesprochen hatte. Wie konnte es sein, dass ein Wolf eine solch seltsame Musterung hatte? Jequn hatte noch nie einen Wolf mit gelblichen Schlieren auf dem Fell gesehen und er selber war auch ein eher gewöhnlicher Wolf. Jedenfalls vom Aussehen her.

Ob es ein Rudel in der Nähe gab, fragte sie. Wenn Jequn das wüsste, wäre er dann noch hier? Wahrscheinlich hätte er schon längst einen anderen Teil des Landes aufgesucht. Seit längerer Zeit empfand er es für vorteilhafter, als Einzelgänger durch die Wälder zu streben. Keine elendigen Jammermäuler, keine nervigen Jungwölfe, niemand, der einem vorschrieb, was man tun sollte. Natürlich gab es auch Nachteile. Und denen war Jequn sich durchaus bewusst. Aber für einen starken Rüden wie ihn war es nicht besonders schwer, etwas Fleisch aufzutreiben. Manchmal, auch wenn es ein wenig entwürdigend war, fraß er auch einfach die Reste anderer Tiere, die in diesen Wäldern jagten. Und wenn andere Wölfe kamen, so war er ihnen bisher stets ausgewichen. Jequn war schon immer ein Wolf gewesen, der nichts gegen Einsamkeit einzuwenden hatte. Aber vielleicht wurde es wirklich mal wieder Zeit, sich in ein Rudel einzufügen. Auch wenn es nicht für immer war.

Der Rüde wand sich ein wenig von der seltsamen Fähe ab, sah sich erst um und hob dann den Kopf ein wenig an, um sich anhand der Gerüche orientieren zu können.

»Ich werde mich jetzt auf den Weg machen. Wohin… weiß ich noch nicht. Du kannst mitkommen, wenn du möchtest. Ich weiß ja nicht, vielleicht gibt es Wölfe, die so etwas wie dich für einen Snack halten.«

Kurz sah Jequn wieder zu der Fähe und deute mit der Schnauze auf ihre Größe. Das sarkastische Grinsen konnte er nun nicht mehr zurückhalten.

»Ich jedenfalls hätte nichts dagegen, wenn ein Würmchen, wie du es bist, mir folgt.«

Nun sah der Braungemischte wieder gen Himmel und erblickte die sanften Mondstrahlen, die sich durch die dichten Baumkronen drängten und über den Himmel tänzelten. Um den Mond bildete sich ein Kranz aus tausend Sternen. Es war eine schöne Nacht. Seit langem.

[Ariez]

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caecus umbra
wenn der glaube stirbt, wird er blind

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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Do Aug 09, 2012 11:38 pm

Es war Caves egal. Sie wollte ihm nicht gefallen, diesem Köter der ihr Schauer über den Rücken gejagt hatte. Sie wollte nicht seine Anerkennung, dem Mörder dem sie sich um ihrer selbst beweisen musste. Sie wollte noch nicht einmal sein dreckiges Leben unter sich geordnet haben. Sie musste nur ihre eigene Einschüchterung ihm gegenüber überwinden. Des Himmels Sommergeschrei wollte nicht so einfach einem Bastard unterliegen, sich nicht so leicht einschüchtern lassen. Aber... dieser Wolf... Er sah nicht aus wie er, aber er erinnerte sie stark an ihn. Nur war dieser hier alt und verbraucht. Er war es nie und er war auch viel gewaltbereiter gewesen und zudem Mausetod.

Ein innerer grollender Einwand rollte durch den Körper des Wolfes. Er hatte also was besseres zu tun – Hm? Caves auch. Ihre Augen beobachteten wie sich der Rüde auf die unsichtbare Barriere zu bewegte, die Pfoten drückten sich in den Boden und innerhalb von Sekunden wandelte sich die Körperhaltung.
Ihre Rute wanderte zum Himmel, der Körper senkte sich, das Fell an jeder Körperstelle schien sich auf zu richten und die Ohren blank an den Körper legen, als hätte die Fähe nie welche gehabt. Es waren nur Sekunden, bis der knurrende Fang sich doch laut grollend öffnete und nur wenige Sekunden, bis die Bunte sich auf den Bastard stürzte. Innerlich zerrütet durch Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Angst und Hass.

Die Wölfin hatte sich auf Mika geworfen, mit den vorderen Pfoten voraus, dem geöffnetem Fang folgend und der Punkt den sie anstrebte war seine Seite. Ein perfekt angesetzter Sprung um den Rüden von den Pfoten zu reißen.

[MIKA | KLIPPE]
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Blake


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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Fr Aug 10, 2012 4:01 am

Es war ein schönes Gefühl, wie die Schmerzen und Belastungen der letzten Tage von ihm abfielen und von dem viel stärkeren Gefühl überbrückt wurden. Er wusste, dass er sich bald weiter damit befassen musste, dass es noch so viel zu regeln gab und dass sein Rudel ihn brauchte, doch es war einfach zu viel. Und das Kartane ihm unbewusst die großen Lasten abnahm und sie verringerte, brachte ihn erneut dazu, sie sanft an zu lächeln. Es war so froh, dass sie da war. Ihre geflüsterten Worte waren wie Gold, so kostbar und wertvoll für ihn. Er erwiderte den Blick ihrer dunklen Augen und seufzte leise. Wenigstens hatte er jetzt jemanden, dem er sich immer anvertrauen konnte. Normalerweise war jener Vertrauenspartner Myla gewesen, doch Blake bezweifelte, dass sie in der Lage war, sich seine Probleme anzuhören. Er gab es nicht gerne zu und er hasste sich dafür, dass er das dachte, aber Myla war zurzeit unbrauchbar. Sie würde nichts gegen Samir ausrichten können und wenn Blake nicht aufpasste, würde sie bestimmt in ihren Depressionen ertrinken. Erneut erhob Kartane die Stimme und er wandte den Kopf zu ihr um. Ihm war gar nicht aufgefallen, dass er die ganze Zeit die Stelle angeblickt hatte, wo vor ein paar Minuten noch Ramyla gelegen hatte. Kartanes Stimme war sanft und vertrauenswürdig und Blake hätte ihr am liebsten alles erzählt, was er dachte. Ein trauriges Lächeln spielte um seine Lefzen und er blickte seine Schneeweiße an.

„Ja. Sie ist mir sehr wichtig. Sie war immer ein Halt und sie begleitet mich schon so lange wie kein anderer Wolf. Es schmerzt, zu sehen wie sie leiden muss aber noch mehr schmerzt es, zu wissen, dass ich nichts dagegen tun kann. Ich weiß nicht, was ich dagegen tun soll“

Seine Stimme war leise und man konnte den leisen Klang von Verzweiflung raus hören. Er hoffte, dass Kartane Ramyla nicht als Konkurrentin sah, denn Blake empfand nur Liebe für die Weiße. Doch er war sich sicher, dass Kartane viel zu sanftmütig und verständnisvoll war. Er rieb seine Schnauze kurz an ihrer und lief dann einige Schritte voraus, zurück zum Rudelplatz, wohl wissend, dass Kartane ihm folgen würde.

„Vor was ich dich beschützen will? Vor Mika. Vor seinen Anhängern. Ich will dich nicht verlieren, Kartane“,


meinte er ernst und blickte ihr nochmals in die Augen. Er konnte ihre Wärme an seiner Seite spüren. Es war etwas Tröstliches. Mittlerweile war es Nacht geworden und der Himmel war pechschwarz, ähnlich wie Mikas Augen. Blake spürte, wie sein Nackenfell sich aufstellte und blickte gen Himmel. Da fielen auch schon die ersten Tropfen nieder und ein Blitz zuckte über den Himmel und erhellte diesen für einige Sekunden, so dass man die dichten Gewitterwolken sehen konnte. Er rümpfte die Nase, als ein Tropfen direkt darauf fiel. Dies würde keine angenehme Nacht werden. Blakes Ohren zuckten, als er ein leises Rascheln vernahm. Normalerweise kümmerte er sich nicht weiter um solche Geräusche, aber ein fremder Geruch lag in der Luft. Fremd bedeutete so gut wie immer Gefahr. Er knurrte und trat dichter an Kartane heran.

„Was willst du hier, Fremde?“,

fragte er und knurrte etwas lauter, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen. Sie hatte einen seltsam vertrauten Geruch an sich, der aber nicht so stark ausgeprägt war, wie er ihn sonst kannte. Sie roch nach Mika, ganz eindeutig. Und auch nach Samir. Also kam sie von der „anderen Seite“ und war definitiv seinen Feinden begegnet. Es donnerte und der Regen wurde stärker. Das perfekte Chaos, als würde das Gewitter direkt aus seinem Inneren kommen.

[Bei Kartane (& Nuray) || Nahe des Rudelplatzes]

Das Gewitter fängt an!

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Shakey liebt die Milkakuh und das Kartane ♥️.
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Cabezan


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AMSELN FLIEGEN TIEF

BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Fr Aug 10, 2012 10:02 am

Die Finsternis umschmeichelte ihn, schlang sich um seinen Körper wie schwarzer Samt. Beruhigen tat es ihm dagegen nur wenig. Nervös und eine Spur ungeduldig tänzelte er an Ort und Stelle herum, konnte er es schließlich kaum erwarten, beim Rudel zurück zu sein. Wenigstens wusste er, wo die beiden Welpen waren. Denn wenn sie ihm jetzt noch fehlen würden, dann würde er wahrscheinlich Blut und Eiter schwitzen und mit hundert Herzschlägen pro Sekunde schreiend durch den nächtlichen Wald rennen. Dabei würde er die Welpen auch noch tottrampeln, wonach Ramyla sich von einem hohen Felsen stürzen würde und Samir ihm den letzten Rest jämmerlichen Leben aus ihm herausquetschen würde. Aaaaaargh! Schon allen von der Vorstellung wurde ihm schlecht und sein Blutdruck sprang einige Treppenstufen höher. Gequält wirbelte er herum um sich zu vergewissern, dass die beiden Zwerge auch wirklich da waren. Oh, er war sich SO sicher, dass er heute davon träumen würde! Neeeiiin, lieber gar nicht daran denken. Lächeln, Cabezan, lächeln. Während ihm ein letzter Schauer über den Rücken lief vertrieb er schnell alle Worst-Case Szenarien mit Knüppeln und Geschrei in irgendeine spinnenwebenreiche Ecke seines Geistes und hängte ein "Betreten auf eigene Gefahr"-Schild sorgfältig davor auf. Es würde eh nichts nützen, das wusste er gut. Leider blieb die Panik, die in ihm aufgestiegen war in seiner Brust stecken und alle Ruhe die er vor einigen Minuten noch verspürt hatte war weggefegt, ohne ein letztes Staubkorn übrig zu lassen. Sein mittlerweile etwas gehetzt wirkender Nougatblick traf den des Weißen und das schlechte Gefühl in seiner Brust wurde nur noch stärker. Er mochte diesen weißen Schatten nicht leiden. Er wusste nicht wieso, aber da saß etwas in seinem Nacken und flüsterte ihm hartnäckig zu, dass er ihm nicht trauen sollte. Vorsicht! Nervös schleckte er sich über die Leftzen, während seine Ohren ziemlich abgelenkt auf irgendwelche verräterischen Geräusche des nächtlichen Waldes achteten. Aus der ferne ertönte ein Donner. Am Himmel zogen derweil dunkle Wolken, Vorboten des Gewitters, gleich irgendwelchen Apokalyptischen Reitern der Hölle. Oder so ähnlich. Auf jeden Fall beugte dieser Rüde seinen Kopf vor ihm, was aber auf keinen Fall dazu beitrug, dass sich Cabezan etwa sicherer fühlte. Stattdessen klingelte es in seinem Kopf so laut 'Verschwörung!', dass er es nur sehr sehr schwer unterdrücken konnte. Es war ja nicht so, als wollte er dem Weißen keine Chance geben. Er hatte einfach ein verdammt schlechtes Gefühl bei der Sache. Er nickte ihm zu, aber es war eine so mickrige Bewegung, dass er genauso gut eine Steinstatue hätte spielen können. Leider hatte er dazu aber nicht gerade Zeit, da es zu tropfen anfing.

"Jajajajajajajajajajajaja, jetzt aber weg hier.... Und du musst - äherm - nicht so mit mir reden. Du ist auch ... völlig okay."

Da war er wieder, sein guter alter Freund Stottersyndrom! Er schwenkte seinen Blick noch einmal unruhig zu dem Hellen, dessen Namen er immer noch nicht kannte, dann ging er langsam aber drängend weiter.
Er überlegte gerade, Kimba zu bitten, Kalucy zu tragen, damit er sich Sharouk aufgabeln konnte, als ihn plötzlich der ultimative Schock des Abends traf. Wie durch einen roten Schleier sah das Amselherz wie sich gefährlich scharfe Fänge in das Genick seines Patenwelpen bohrten und ihn hochrissen - nun in der Realität ging es schmerzfrei und sanft vonstatten, aber nicht in dem Paralleluniversum namens Cabezans Gehirn - und ein erschrockenes Winseln entfuhr dem Nebelgrauen für einen Moment. Er war kurz davor, Sharouk vor dem bösen Weißen zu 'retten', als er bemerkte, als was für ein Idiot er dann dastehen würde und erstarrte. Um diesen peinlichen Moment zu überspielen und sich selbst mit etwas abzulenken schnappte er sich den kleineren und fragileren Körper Kalucys. Behutsam hob er sie hoch und trottete weiter voran. Sein Herz hämmerte so stark, dass er Angst bekam, es würde ihm den Hals hochflutschen. Ständig schielte er zur Seite um sicherzugehen, dass der Rüde Sharouk noch nicht zerfleischt hatte. Erneute brutale Bilder drohten sich vor seine Augen zu schieben und Cabe musste sie panisch abschütteln. Was zum Teufel war eigentlich los?! Die Regentropfen klatschten schon unangenehm gegen sein Fell. Ein letzter paranoider Blick zurück in die dunklen Tiefen des Waldes... nur um zu sehen, wie sich Kimba mit einem seltsamen Ausdruck in den Augen umwandte und in die Ferne verschwand. Was zum Teufel! Ihm war zum Heulen zu Mute und er hatte höllisch Angst um Sharouk und gleichzeitig fühlte er sich endlos idiotisch und lächerlich. Was war das eigentlich für ein seltsamer Blick gewesen? Entschuldigend, oder so ähnlich. Er fragte sich ehrlich, ob er die sandfarbene Fähe wohl je wiedersehen würde. Er hoffte, ihr würde nichts passieren.
Es war wie eine Erlösung, als er schließlich durch das Gebüsch auf den Rudelplatz brach. Sein verkrampftes Herz lockerte sich ein wenig und er setzte Kalucy erst mal behutsam ab. Sein erster Blick galt dem Weißen und als er erstmal dachte, ihn nicht sehen zu können, war es ihm, als würde eine eiskalte Hand nach seiner Kehle greifen. Doch dann war er natürlich doch da, mitsamt Welpe, der immer noch atmete.

"Das ist unser Rudelplatz. Und... Äh....", er blickte sich etwas ratlos um. Es war totenstill, bis auf das ferne Knurren des Himmels. Er konnte einen einzigen Wolf erkennen und das war Sakura. Oh nein, da war auch noch Raziel und ein Fremder. "Woooo sind denn alle hiii-hiiiin?!", entfuhr es ihm frustriert, ja fast weinerlich. Mit einem erneuten Schwung der Verzweiflung biss er sich auf die Leftzen. Er hatte keine Ahnung was los war. Vorher waren doch noch alle da gewesen und hatten munter miteinander getratscht? Stattdessen hing im Augenblick eine schreckliche Spannung über dem Platz. Jetzt hätte er sich am liebsten in die Schwanzspitze gebissen und er hatte keine Ahnung wieso. Na gut, eigentlich doch. Die üblichen Probleme, die er so hatte.

[ RUDELPLATZ | AZZARDO & KALUCY & SHAROUK ]

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Behind my smile is everything you’ll never understand.
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Ramyla


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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Sa Aug 11, 2012 2:17 pm

xx Give up your heart left broken
And let that mistake pass on
Cause the love that you lost wasn't worth what it cost
And in time you'll be glad it's gone
xx

    Jetzt galt es, sich auf ganz andere Dinge zu konzentrieren, als auf die, in denen sie ertrank. Vielleicht war das auch das einzige, das im Moment helfen konnte: Ablenkung. Und wenn diese nur darin bestand, einen fremden Wolf in ihrem Revier "Willkommen zu heißen". Im Revier von welchem Rudel? Bestanden die "Heaven Wolves" denn überhaupt noch? Alles schien zerfallen und kaputt. In dieses Chaos platzte nun diese fremde Fähe, die aber zumindest nicht den Eindruck machte, als würde sie noch mehr Ärger machen wollen. Vielleicht würde sie sogar einfach wieder abhauen, wenn Ramyla ihr klar machte, dass sie im Moment keine unbekannten Wölfe gebrauchen konnten. Aber… dann wäre auch die Ablenkung weg. Reiner Eigennutz eigentlich, aber Ramylas Haltung wurde etwas offener und sie hörte der hellen Wölfin konzentriert zu.
    Eine Nomadin, hm. Mylas Blick flog über die etwas jüngere Fremde und sie vermied unbewusst Blickkontakt, was sonst nicht die Art der Beta war. Hier aufhalten oder das Revier durchqueren… Das einzig richtige war, die Wölfin zu Blake zu bringen. Der Alpha hatte das zu entscheiden. Auf der sicheren Seite wäre Ramyla allerdings trotzdem, wenn sie die Helle einfach wegschicken würde. Zögernd biss sie sich auf die Lefzen und zuckte dann irritiert mit den Ohren, als ein lautes Magengrummeln zu hören war. Die Fähe wirkte daraufhin peinlich berührt, Ramyla schüttelte nur abwehrend den Kopf. Es zeigte sich kein Mitgefühl oder dergleichen auf ihrem Gesicht - ihre eigene letzte Mahlzeit lag ebenfalls schon länger zurück - aber auch kein Vorwurf oder Ähnliches.

"Schon okay. Ich bin Ramyla - Myla. Du kommst am besten mit mir, zu Blake… dem Alpha."

    Die Worte waren ruhig und entschieden, auch wenn Ramyla sich eigentlich nicht sicher war, ob das wirklich klug war. Blake hatte im Moment eindeutig schon viel um die Ohren. Aber bei dieser Wölfin bestand ihrer Einschätzung nach wirklich keine Gefahr, in keinerlei Hinsicht. Warum also auf eine mögliche Verbündete verzichten…? Womöglich rannte sie sonst noch Mika vor die hässliche Hundsschnauze. Der Gedanke war der letzte Auslöser dafür, dass die Beta entschlossen nickte und ein, zwei Schritte zurück trat. Bevor sie sich jedoch abwandte, verharrte sie mit einem Mal. Sie waren nicht allein - der Wind stand nicht günstig für sie und würde eher dem weiteren Fremden den Geruch der beiden Fähen entgegentragen. Und es war noch jemand Fremdes hier, irgendwo in der Nacht, das spürte Ramyla geradezu. Oder war es nur die ganze angespannte Stimmung und der Geruch nach Regen, der in der Luft hing? Kein sanfter Regen… zog ein Gewitter auf?
    Sie legte den Kopf leicht in den Nacken und starrte in den nachtschwarzen Himmel, den man zwischen den dunklen Baumkronen erahnen konnte. Mond und Sterne schienen von finsteren Wolken verdeckt zu sein. Ein Tropfen viel Ramyla auf die Schnauze und schnaufte frustriert. Ihr Fell kribbelte geradezu. Ein Gewitter hatte ihnen gerade noch gefehlt. Außerdem war da immer noch ein unentdeckter Wolf, irgendwo in der Dunkelheit.

[Sideka (& Aikana) xx Reviergrenze]

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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   So Aug 12, 2012 9:47 am

Die junge Fähe schaute nicht auf. ihr Blick war auf den dunklen Waldboden geheftet. Erst als neutrale Worte an sie gerichtet wurden, sah sie auf. Ein Nicken... Noch ein zweites. Die Fähe vor ihr ging etwas zurück, drehte sich in jene Richtung, in welche sie nun gehen würden, da stockte sie. Offenbar versuchte sie etwas zu wittern. Weshalb? Hatte der Wind etwas mit sich getragen, dass sie beunruhigen oder ihnen Nahrung verschaffen sollte? Egal, sie würden nun offenbar zum Alpha gehen. Das war schon einmal ein gutes Zeichen. Selbstverständlich konnte es immer noch eine Falle sein oder es konnte immer noch gefährlich werden. Sid brauchte dafür nur am falschen tag aufgetaucht sein. So etwas konnte schon reichen. Doch ihr gesunder Hinterlauf war bestens in Form, wodurch sie sicherlich schnell verschwinden konnte. Im Dunkeln fiel der andere Hinterlauf nicht besonders auf. Dafür die Gangart der Baigefarbenen. Es sah aus als würde sie hinten etwas humpeln. Naja, mit einer einzigen Pfote war das anders auch kaum möglich.

Im gegensatz zu der Fremden fühlte Sideka sich keineswegs verfolgt oder beobachtet. Sie konnte nicht ahnen, dass der Wolf, welcher ihr gefolgt war, sie eingeholt hatte und sie ihn nur dadurch nie bemerkt hatte, weil der Abstand ansonsten zu groß gewesen war.
Die Anzeichen für ein kommendes Gewitter nahm die Junge einfach hin. Sie hatte keine Abneigung und sie mochte es sogar. Allerdinggs bevorzugte sie es dabei im Trockenen zu bleiben. So folgte sie ihrer Führerin still schweigend. Die Ohren gespitzt lauschend.

[Ramyla (& Aikana) I Reviergrenze I folgt Ralya schweigend]
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Ariez


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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   So Aug 12, 2012 9:52 am

Ariez blickte kurz hinauf in den dunklen, bewölkten Himmel. Na wenn das mal nicht nach Regen aussah. Am Tage war da immer nur diese brütende Hitze, die dazu brachte, sich in den Schatten zu legen und nichts zu tun und in der Nacht, wo die Temperatur immer gerade richtig war, musste es gewittern und regnen. Natürlich. Sie hatte wohl nie Glück in ihrem verdammten kleinen Leben. Naja, ihre Mutter hatte sie ja nicht umsonst immer Satanskind gerufen. Die Gemusterte blickte wieder zu dem Rüden. Er wollte sich jetzt wieder auf den Weg machen. Na von ihr aus gerne! Aber bei seinen nächsten Worten zuckten ihre Ohren als hätte sie ein fremdartiges Geräusch gehört. Sie durfte … ihn begleiten? Schockiert starrte sie das Schneeauge an und blinzelte mehrmals. Noch nie hatte ihr jemand eine solche Frage gestellt. Da warf ihre sarkastischen und von selbsthassgetränkten Gedanken ja vollkommen durch einander! Sie meinte sogar zu spüren, wie ihr unterkühltes Herz einen leichten Strahl von Wärme abbekam. Normalerweise wendeten sich die Wölfe von ihr ab und sie zog es nicht einmal in Erwägung ihnen zu folgen. Doch dieser Rüde reagierte nicht mit Abneigung auf sie. Er war irgendwie anders. Ariez blinzelte nochmals in der Sarkasmus kroch wieder zurück in ihre honigbraunen Augen. Sie hob den Kopf etwas und grinste dann, als wäre nie etwas passiert.

„Ob du es glaubst, oder nicht, du Hund, ich bin wohl weitaus größer als manch andere Fähen. Aber du kannst das vermutlich nicht beurteilen, du scheinst noch nicht so viel Kontakt mit anderen Wölfen gehabt zu haben, was?“

Sie zwinkerte und erhob sich dann. Ihr Herz machte einen Hüpfer, als sie sich tatsächlich dazu entschloss, ihm zu folgen. Sie. Jemand anderem. Sie verdrehte die Augen, was der Rüde allerdings nicht sah. Sie folgte seinem Blick gen Himmel, wo noch immer die dichten Regenwolken ihr Schauspiel hielten.

„Und nenn mich nicht Würmchen, sonst bekommst du noch viel schlimmere Spitznamen von mir zu hören.“,

meinte sie trocken. Tatsächlich hatte sie sich dem Rüden gegenüber mit Beleidigungen noch sehr zurückgehalten, was doch recht unüblich für sie war. Er schien ihr doch etwas ähnlich zu sein und wenigstens Sarkasmus zu verstehen. Fazit: Er war kein Vollidiot wie die meisten Gestalten auf dieser Welt, die ihren Schwachsinn erzählten wie eine drittklassige Horrorgeschichte.

[Jequn]

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Hässlich will ich für euch sein
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Mika


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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Mo Aug 13, 2012 2:03 am

Er wusste nicht, ob er diese Fähe in seine Pläne irgendwie hineinstricken konnte. Bis jetzt wusste er nicht einmal, ob er das wirklich wollte. Er hatte schon drei Spielfiguren zwischen den Pfoten ( nun gut eigentlich hatte er die ganze Welt ), aber man wusste nie, wann noch eine noch mal richtig gelegen kam. Andererseits konnte diese dann auch überflüssig werden und ein Klotz am Bein sein. Nicht, als ob er nicht damit fertig werden konnte, aber Scherereien waren meistens nicht so angenehm. Mika gähnte und schob all die nervigen Gedanken beiseite. Er hatte heute schon genug geleistet, da wollte er sein Gehirn mal nicht überhitzen. Schließlich brauchte er es ja noch morgen. Sein dunkler Blick streifte wieder die Fähe. Es lag jetzt ganz an ihr, wie sich dieser Abend entwickeln würde. Aber eigentlich hatte Mika das mit seinen vorigen Worten und den einigen entschiednen Schritten auf ihre ach so eiserne Barriere schon entschieden.
Natürlich schluckte sie den Köder, eine Provokation, so einfach wie atmen. Ein selbstzufriedenes Lächeln spiegelte sich auf Mikas Leftzen. Gut. Es war schon viel zu lange her, dass er einen echten Kampf gehabt hatte. Der letzte war wohl der mit Samir gewesen, auch wenn das viel zu schnell gegangen war und der Schwächling viel zu schnell aufgegeben hatte. Welch Ironie des Schiksals, dass das arme Schwein nun sein Untergebener war. Auch die beiden Morde, die er begangen hatte, seitdem er bei den Heaven Wolves war, waren nicht gerade zufriedenstellend. Kovu war eh halb tot gewesen und konnte sich nicht wehren und seine Schwester? Nun beim Fallen wird nicht gerade viel Blut verschüttet. Auch wenn Mika zugeben musste, ihr Tod war eher etwas wie ein Kunststück gewesen. Er hatte ein wenig Schiksal gespielt, ohja. Bei dem Gedanken kicherte der Wolfshund ein wenig selbstgefällig bevor es in ein gut gelauntes Knurren überwich, nur um in die Situation zu passen.

Die Rute erhoben, die Zähne gefletscht, reagierte sein Körper, ohne das er groß nachdenken musste. Nur weil er alt war, hieß das nicht, dass man ihn unterschätzen sollte. Schließlich war das Kämpfen für ihn fast schon so wie für andere das Atmen. In den bräunlichen Augen der Fähe sah er das ewige Wirbeln der Gefühle, welches ihm schon so lange fehlte. Vielleicht war das der einzige Vorteil der Fähe. Gleichzeitig hatte sie nicht jenen kühlen Humor und jene tödliche Berechnung, die er besaß. Trotz seiner beträchtlichen Masse reagierte er blitzschnell. Er ließ sie in ihrem Sprung ihm so nahe wie möglich kommen. Der Körper war kurz davor mit lautem Krachen in seinen eigenen zu rumpeln, als sich der Bunte duckte und nach vorne sprang und sich mit dem starken Fang in den unteren Bereich ihrer Flanke verbiss. Sobald er spürte, dass er festen Halt hatte, riss er seinen Körper herum und spürte, wie das Gewebe unter der Spannung riss. Feines Blut sickerte zwischen seine Fänge, während der Schwung des Sprunges der Fähe immer noch ungewiss machte, in welche Richtung sie gezogen werden würden. Entweder sie würde auf ihn fallen, oder sich genauso in ihn verbeißen. Es war ein Tanz der Millsekunden, ein blutiger, brutaler Tanz. Er gefiel ihm, er hatte Spaß, doch sein Herz mochte nicht das Lied singen, welches Kämpfer sonst so eigrig zu singen pflegten.

{ Caves | auf der Klippe }

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the bird underneath his paws ;; Cabezan
THE WORLD IS NOT AS BLACK AND WHITE
AS YOU NAIVELY BELIEVE

That's what happens when you cling to hope
You set yourself up for despair


Es lebe der Milchshake!
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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Mi Aug 15, 2012 12:33 am

Eine Wiese, so grün wie keine andere. Blumen, überall Blumen in den verschiedensten Farben. Rot, Blau, Geld, Grün, alles war vertreten. Der Himmel über seinem Kopf war von einem strahlenden Blau, das von dem Gewässer vor seinen Pfoten zart zwirbelnd übernommen wurde. Er betrachtete sein Gesicht einen Moment. Ein wölfisches Lächeln umspielte seine Lefzen. Dieser Ort war einfach traumhaft. Und dann, wie aus dem Nichts, landete etwas auf seinem Rücken. Er wirbelte herum und schaute in das strahlende Gesicht seiner Schwester. Jünger, als er sie in Erinnerung hatte. Fast noch ein Welpe. Er knurrte spielerisch und warf sich auf sie. Die beiden rollten durch das Gras, schreckten hier und dort ein Graupelzchen auf. Sie waren ganz allein. Und sie hatten nur sich selbst. Deutlich spürte er das starke ziehen in seiner Brust, als sich die Landschaft mit einem Mal in die Länge zog. Er sah, wie seine Schwester auf ihn zu lief, aber sie entfernte sich mehr und mehr, wurde quasi von ihm fort gerissen. Und er stand einfach nur da und sah zu wie die Einsamkeit Besitz von ihm ergriff. Mit einem Mal veränderte sich die Landschaft. Ein düsterer Nebel zog auf, schien alles in sich zu verschlucken, erbarmungslos. Dann brach der Himmel entzwei und fiel auf ihn nieder.

Meo Amarok riss die Augen auf. In nur Bruchteilen von Sekunden stand der Jungwolf auf seinen vier Beinen. Er schüttelte sich den Dreck aus dem Pelz und betrachtete dann seine Umgebung. Es war nur ein Traum gewesen. Nur ein Traum. Warum hatte es sich dann so verdammt echt an gefühlt? Ein Blitz zerriss den Himmel und zog ein langes, gähnendes Grollen mit sich. Meo konnte ein ängstliches Winseln nicht unterdrücken. Er duckte sich, das Nackenfell gesträubt, die Ohren angelehnt. Aus dem Winseln wurde ein drohendes Knurren. Die fetten Regentropfen dachten gar nicht daran, sich ihm zu unterwerfen. Im Gegenteil. Es schien beinahe, als würden sie rein zum Zwecke der Provokation an Masse und Schnelligkeit zunehmen. Erneut schüttelte sich der Jungwolf. Er kroch zurück unter den Felsen, um von dort aus weiterhin das Gewitter an zu knurren. Das alles war ganz anders, als er es sich vorgestellt hatte. Diese Welt, diese Länder, diese Orte. Mit einem Male schien ihm alles so fremd. Natürlich war dieses nicht sein erstes Gewitter, aber bei den anderen war stets jemand dabei gewesen. Und genau das war der Grund, weshalb er sich nun verkroch wie ein Welpe, ängstlich und doch keineswegs gewillt den Schwanz einzuziehen. Er hatte Heimweh. Vermisste die geliebte Schwester, die Mutter und den Vater. Gleichzeitig aber erfüllte es ihn mit einem gewissen Stolz, dieses Abenteuer erleben zu dürfen. Ganz allein inmitten eines apokalyptischen Himmelbruchs. Das würde er seinen Welpen erzählen können! Aber was sollte er sagen? Dass er sich verkrochen hat? Niemals!

Vorsichtig lugte er unter dem Felsen hervor. Augenblicklich straften ihn ein paar schwere Tropfen. Er schüttelte sich und gab einen winselnden Ton von sich. So, das reichte nun. Was fiel diesem Regen eigentlich ein? Mit einem Satz stand Meo draußen, während die Wassermassen ihren Weg nahmen, ohne auch nur ein einziges Häärchen von ihm wahr zu nehmen. Der Jungwolf reckte den Kopf gen Himmel, baute sich quasi vor dem Gewitter auf und knurrte und kläffte. Ein weiterer Blitz zuckte über seinem Kopf hinweg. Er fuhr deutlich sichtbar zusammen und machte einen Satz zurück unter den Felsen. Aufgeben? Das stand ganz und gar nicht zur Debatte. Und nachdem er sich wieder beruhigt hatte und nur noch so doll zitterte, dass er gerade so auf allen Vieren stehen bleiben konnte, da wagte er sich wieder hinaus. Diesmal jedoch legte er sich einen Trott an, den Kopf in einer geraden Linie mit dem Rücken, die Ohren angelegt. Wie ein stures Kind trappelte er so durch den Regen, zuckte bei jedem Blitz zusammen und unterdrückte nur schwer ein ängstliches Winseln.
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Lonato


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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Mi Aug 15, 2012 8:02 am

Wenn er ehrlich war, hatte er Sachi noch nie verstanden. Allerdings war Lonato auch nicht sicher, ob irgendjemand diese kleine Wölfin verstand. Sie einfach jung und voller Lebensfreude. Ein Fackel in der Dunkelheit, die ihn manchmal umgab. Dennoch würde er niemals den Willen zu Leben verlieren, genauso wie dieses junge Geschöpf vor ihm. Trotzdem kam er nicht umhin, sich zu schämen, als sie ihn aus- oder anlachte. Ganz sicher war er sich bei ihr nicht, doch er ging deshalb einfach von Auslachen aus, was auch verständlich war.
Obwohl er es hasste, ausgelacht zu werden, konnte er auf dieses Mitglied des Rudels einfach nicht böse sein. Nunja, die beiden Welpen von Ramyla genossen diese Nachsicht seinerseits wohl auch. Ein Schmunzeln breitete sich auf seinen Zügen aus, als er sich aus seiner Starre löste und lockerer wurde. Er wusste nun, womit er es zu tun hatte. Langsam machte der ein, zwei Schritte vor bis er vor der jungen Schwarzen stand und auf sie hinunter sah.

“Was treibt dich hierher, Sachilein? Bist du vollkommen allein losgezogen?“

, fragte er. Seine Stimme war ersthaft, doch noch immer lag das Schmunzeln auf seinem Gesicht und ließ die bernsteinfarbenen Augen ein wenig glänzen. Er wäre vielleicht einmal ein guter Vater geworden, wenn er stark und geschickt genug gewesen wäre, ein eigenes Rudel zu führen. Doch dieses Privileg war ihm nicht vergönnt gewesen – genauso wenig, wie es Blake vergönnt gewesen war Vater der Welpen im Rudel zu werden. Statt seiner war es sein Bruder geworden, der sich dennoch vom Rudel abwandte. Wenn Lonato es sich recht überlegte, lebte er lieber in der Gemeinschaft, als über sie wachen zu müssen. Man hatte weniger Verantwortung, wenn man nur ein Teil eines Ganzen war und nicht der Führer dieses Ganzen. Er beneidete Blake nicht und dennoch wünschte sich ein Teil von ihm, auch irgendwann eine richtige Familie zu haben. Wenigstens eine Gefährtin sollte das Schicksal ihm doch gönnen.
In diesem Moment vernahmen seine wachsamen Augen einen Blitz am Himmel. Wenige Momente später fielen die ersten Regentropfen auf sie nieder und der Donner ertönte.

{SACHI # denkt # stellt sich vor sie und blick hinunter # denkt}

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by icewolf
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Jequn


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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Mi Aug 15, 2012 3:10 pm

Auf was hatte Jequn sich da bloß eingelassen? Eine Fähe, die seltsam aussah und darüber schweigen zu schien. Andererseits war Jequn sich nicht einmal sicher, ob sie sich ihres Aussehens überhaupt bewusst war. Im Kopf malte sich der Rüde einige Theorien aus, wie sie zu den gelblichen Linien auf ihrem Fell gekommen sein konnte. Vielleicht hatte sie diese rätselhafte Musterung bereits seid ihrer Geburt? Vielleicht wurde sie... von irgend einem Gott geschickt. Götter waren selten und hielten sich im Hintergrund, viele wussten nicht einmal, dass welche existierten. Aber Götter waren dafür bekannt, seltsame Dinge zu tun und diese Fähe war eindeutig seltsam.
Trotzdem beschloss er, vorerst nicht weiter darauf einzugehen. Wenn die Weiße etwas dazu zu sagen hatte, so sollte sie selbst anfangen, darüber zu reden.

Kurz hörte er sich an, was sie zu sagen hatte, schmunzelte kurz über ihre Wörter, die alles abstritten und hob seinen Kopf dann wieder gen Himmel, um nach den Sternen zu suchen. Sie waren weg, eine Wolkenbank hatte sich davor geschoben und erst winzige, dann größere Tropfen prasselten von oben auf Jequns dichtes Fell. Schon bald wurde der Regen so doll, dass das nassgetropfte Fell an seinem Körper klebte und irgendwo aus dem Wald hörte man ein dumpfes Donnergrollen.

»Was ist, kommst du nun mit oder nicht?«

Nun wurde es auch noch stürmisch. Vielleicht wurde es kein langes oder allzu gewaltiges Gewitter, aber es war wohl trotzdem besser, für etwas Sicherheit zu sorgen.

»Vielleicht sollten wir eine Höhle oder irgendetwas zum Unterstellen aufsuchen, wir wollen doch nicht, dass du wegfliegst.«

Kurz schüttelte Jequn seinen Pelz, um den größten Teil an Wasser loszuwerden. Dann drehte er sich und versuchte, in der Ferne etwas zu erkennen. Allerdings war es schon ziemlich dunkel geworden und die Wolkenbank machte das nicht grade besser und ein kaputtes Auge war auch nicht von Vorteil. Er murmelte irgendwas über den blöden Regen, rollte mit den Augen und versuchte wieder einmal, die Orientierung zu finden.

[Ariez]

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caecus umbra
wenn der glaube stirbt, wird er blind

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Ariez


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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Do Aug 16, 2012 3:06 pm

Bereits nach ein paar Schlägen ihres verdorrten Herzens spürte Ariez bereits die Nässe des nächtlichen Regens durch ihr Unterfell sickern. Sie schüttelte sich und kniff ein wenig die Augen zusammen um sie vor dem Regen zu schützen. Ein rauer und feuchter Wind strich ihr mit ekeligen Fingern durch das Fell und sie unterdrückte ein Schaudern, als es auch noch donnerte. Normalerweise berührte sie so ein Kindskram nicht einmal im Geringsten, aber bei Donner musste sie sich doch schon sehr zusammenreißen, um sich nicht der steigenden Angst hin zu geben, die anfing, in ihren Adern zu pulsieren. Aus den Augenwinkeln blickte sie zu dem Rüden, der ebenso unberührt aussah wie sie bei diesem Wetter. Auch sein Fell war bereits durchnässt. Als er erneut fragte, ob sie nun mitkam, zuckten ihre Ohren und schon wieder war da dieses Gefühl. Das Gefühl, dass jemand auf sie zuging. Dass sie gebraucht wurde. Während ihre Mimik von Außen neutral blieb und etwas verdrossen aufgrund des Regens ausschaute, spürte sie innerlich wieder diesen Strahl Wärme. Es war schön, dieses Gefühl noch mal zu haben und sie wünschte sich, dass der Rüde es noch einmal wiederholte.
Aber dann fiel ihr auf, wie albern sie doch dachte. Himmel, dies war die beschissene Hölle auf Erden, da hatten Gefühle nichts drin verloren, vor allem nicht, wenn sie auf noch positiv waren. Uah, da bekam man doch Krätze und Herpes gleichzeitig im Gehirn, wenn man auch nur an so etwas dachte. Die honigbraun Gemusterte verschloss ihre wirren Gedanken tief im Hinterkopf und folgte anschließend dem Rüden.

„Sehr nachsichtig von dir“,

war alles was sie dazu sagte. Ihr Blick wurde etwas skeptisch. Jetzt folgte sie doch tatsächlich einem wildfremden Rüden, dessen Namen sie nicht einmal kannte! Gott, was war heute bloß mit ihr los? Vielleicht war es auch nur der einfache Schutz Instinkt; er war größer und stärker als sie und wenn sie immer schön nett zu ihm war (oder zumindest so tat) würde er ihr auch Schutz bieten. Er hatte ja bereits jetzt schon beschlossen, einen Unterschlupf zu suchen. Das hätte vermutlich jeder normale Wolf getan, denn nur die besonders Dummen, die immer auf hart taten, liefen bei Regen durch die Weltgeschichte. Seufz. Alles Idioten.
Mit einem Rümpfen ihrer Nase schüttelte sie nochmals den gemusterten Pelz, der bereits an ihr klebte wie ein nasser Fremdkörper.

„Dann lauf mal los, Mister Weißauge“

[Jequn]

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Hässlich will ich für euch sein
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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Sa Aug 18, 2012 9:06 am

Nights in white satin
Never reaching the end
Letters I've written
Never meaning to send


Wie in einer unbeschreiblichen Trance stand Cassian wie angewurzelt auf der gleichen Stelle und starrte mit leerem Blick in die Wälder. Sein Geist befand sich auf einer spontanen Reise in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er befand sich an einem Ort jenseits von Raum und Zeit, wo sich aller kreativer Fluss bündelte und die einen Regenschauer von Geistesblitzen auf sein Haupt herabfahren ließ. Der Poet hatte diese Erfahrung schon einige male durchlebt und war mit ihrem Verlauf durchaus vertraut, jedoch erstaunte ihn diese Laune der Natur immer wieder. Das Gefühl war unbeschreiblich. Als hätte sich seine Seele von ihrer fleischlichen Hülle befreit, um nun wie ein Vogel frei in den Lüften der Poesie zu schweben...eine unbeschreiblich behagliche Wärme füllte das Herz des Künstlers und er musste sich für einen Moment an seine Heimat erinnern. Vor seinem inneren Auge sah er all die hohen Baumriesen des Ewigwaldes, beobachtete wie die ersten, zarten Sonnenstrahlen den Morgentau auf den bunten Blumen küssten und die Landschaft zu einem Fest der Lichter und Farben machten. Wie oft hatte er dieses Schauspiel schon miterlebt? Nicht oft genug! Sein feiner Geruchssinn vernahm den frischen Duft der unzähligen Pflanzen und seine empfindlichen Ohren horchten den Klängen des Waldes. Vogelgezwitscher, plätscherndes Wasser, raschelnde Blätter, das Flüstern des Windes, welcher mit seiner gehauchten Melodie sein tristes Fell streifte...Ja, er war wieder am vertrautesten Ort der Welt.
Sachi schien für einige Momente vergessen und Cassian schloss verträumt die Augen, während seine Lefzen sich zu einem melancholischen Lächeln verzogen. Das Phänomän, dessen Zeuge er soeben geworden war, gehörte zu den Privilegien der Künstler auf Erden. Ein Augenblick von purem Kreativitätszufluss, welcher seine Auserwählten in einen Zustand der vollen Inspiration versetzte. Kurz nachdem der Tagtraum seiner heimat dem Rüden entfleucht war, füllten Worte sein Gedächtnis. Er war der Schmied, welcher mit Hilfe seiner treuen Werkzeuge, Waffen der Literatur erschuf. Sätze, Zeilen, Strophen und ganze Gedichte formten sich in Cassians Bewusstsein fast wie von selbst und er bemühte sich die meisten von ihnen in sein gelehrtes Gehirn einzubrennen, um sie später ein paar neugierigen Zuhörern vortragen zu können. Fals es solche mal geben sollte, natürlich. Wenn nicht, dann würden die Wälder von E'Deverus ihm schon noch ihre Aufmerksamkeit schenken.
Plötzlich wurde der Philosoph durch ein fremdes Geräusch aus seinen Gedanken gerissen und langsam wurde er sich wieder bewusst, wo er sich überhaupt befand. Seine braunen Seelenspiegel richteten ihren noch etwas trüben Blick auf Sachi und er vermutete, dass sie gar nichts von seinem kurzen Austritt gemerkt hatte. Umso besser, dann würde er es ihr nicht erklären müssen, denn nicht mal ein Meister wie er könnte diese Erfahrung in Worte fassen! Doch was hatte diesen Lärm verursacht? Nun hatte sich auch seine Sicht geklärt und Cassian ließ ihn über seine Umgebung streifen, um gleich darauf einen unbekannten Wolf zu erblicken, der allem Anschein nach gestolpert und in ihr Umfeld gefallen war. Armer Kerl! Das war ihm bestimmt etwas peinlich...Sachi schien den Rüden zu kennen und Cassian fragte sich augenblicklich, ob er wohl zu den Heaven Wolves gehörte. Könnte er sie zu ihnen führen? Sein eigentliches Ziel schoss ihm wieder in den Kopf und der Mischling witterte eine Chance auf die Erfüllung seiner Träume.
Doch die plötzliche Rückkehr in die Realität hatte seine sonst so flinke Zunge anscheinend gelähmt und Cassian brachte kein einziges Wort heraus. Der Fremde machte sich aber auch keine Mühe sich vorzustellen...wie unhöflich! Nun ja, dem würde Cassian schon noch Einhalt gebieten, jetzt da er seine Sprache wiedererlangt hatte.

"Ich entsinne mich nicht dir schon mal begegnet zu sein, mein junger Freund. Mein Name ist Cassian. Und welchen Namen trägst du?"

Stellte der Rüde sich freundlich vor und trat einen Schritt auf den Wolf zu. Gefährlich sah er nicht gerade aus, da gab es schlimmeres...aber man konnte ja nie wissen!

Beauty I'd always missed
With these eyes before
Just what the truth is
I can't say anymore



[SACHI & LONATO | lößt sich aus seiner Starre | stellt sich vor]
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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   So Aug 19, 2012 1:44 am

“Tanz mit em Wind, lach mit dr Sunne,
mach d Ougen uf, dr Morgen isch da.
Lueg mal, mys Chind, was dä Tag dir het brunge,
tanz bis dr Atem, bis dr Atem nümm meh ma.“

Die kleine Fähe beruhigte sich langsam wieder und blickte zu dem riesigem buntem Rüden hinauf. Er war so bunt, dass er manchmal an Dreck, Bäume und schwarzen Matsch erinnerte. Das fand Sachi toll, weil sie dann immer daran dachte, dass die Wölfe wohl aus Mutter Natur geformt worden sind und damit sie sich daran erinnerten – ein Leben lang – hatten sie auch diese Matschfarben im Fell. Dabei hatte sie sie nicht. Sie war kohlrabenscharz, als hätten die Vögel sie hernieder gebracht und als sie von ihr abließen, wären aus den schwarzen Federn ihr Fell geworden.
Mit einer munter wedelnden Rute flippten die Ohren und sie schüttelte flink den Kopf. Munter und enthusiastisch. Aber Sachi war doch gar nicht alleine. Sachi war hier mit Cassian der immer Putterplume sagte. Moment, hatte Lonato überhaupt überhaupt über das allein sein gesprochen? Natürlich hatte er das! Doch schon hörte sie die Stimme von dem Wolf der den Namen Cassian trug wie sie ihre Flecken im Fell – ob sich der Name wohl nur bei Nacht zeigte? Flink warf sie den Kopf nach hinten und blickte verstohlen zu dem Poeten, doch die kleine Fähe sah so nicht viel. Und das was sie sah war kein Name im Fell.

Es war zu dunkel um den Dichter richtig zu sehen und die ersten feuchten Tropfen fielen auf ihre Nase. Diese rümpfte die Fähe und wanderte den Blick gen Himmel während sie locker daher sprach, ohne zu merken wie angespannt die Situation war:

“Aber nein nein Lolo.“

Ein leises Kichern entrann ihrer Kehle und sie schüttelte sich. Der kalte Regen war feucht. Aber es war irgendwie toll. Dafür dass die Sonne immer auf den Pelz schien und sie wärmte, war so ein kleiner Regen was tolles. Und der kleine Regen ging erst richtig los. Wieder schnappte die Rute von links nach rechts und endlich senkte sie den Kopf.

“Sachi hat mit Sha und Cabie verstecken gespielt.“

Wild wippte der Kopf und die Ohren fliegen nur durch die Dunkelheit. Ihre gelben Augen schienen zu leuchten.

“Und sie haben mich nicht gefunden. Dafür aber eine Mal.. mael.. Malala... Malu.. Eine Fremde. Doch die Fremde hat Sachi dann bei Hasen jagen verloren. Und dann kam Cassian als Sachi im Dreck lag und der Freund Hase weg war.“

Sie wandte den Kopf zu dem fremden Rüden. Diese Gestik war eigentlich vollkommen sinnfrei, da er sich schon vorgestellt hatte aber das interessierte den kleinen Sonnenfang nicht.

“Der hat gelacht. Sachi weiss nicht wieso. Aber weisst du was Sachi weiss? Er trägt seinen Namen wie Sachi die Flecken im Fell. Aber vielleicht magst du ja suchen helfen. Sachi hat den Namen im Fell noch nicht gefunden. Aber wenn wir gemeinsam suchen, dann finden wir ihn ganz bestimmt! Und weisst du noch was? Er hat mich Putterplume genannt.“

Das kindliche aber helle Lachen ertönte und schien den dunklen Wald mit dem schlechtem Wetter sogleich auflockern zu wollen. Dann sprang sie auch noch zur Seite und tanzte um den Cassian herum.

“Dann haben wir suchen gespielt. Er sucht was musst du wissen Lolo und ich weiss nicht was. Er hat es Sachi nicht gesagt. Aber ich suche trotzdem mit, vielleicht finden wir es dann. So wie wir den Namen finden wenn Lolo hilft. Du musst wissen, der Cassian ist ganz lustig. Der sagt so komische Sachen. Das ist so lustig wie Cabezan wenn er stottert.“

Sie blieb neben Cassian stehen und nickte mehrmals munter.

[CASSIAN && LONATO | wildes gelaber | wildes gehüpfe | liebe und freude]
Lyrik: Tanz mit em Wind – Peter Reber
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Kayra


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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Mo Aug 20, 2012 3:41 am

Der Himmel brach über dem Land zusammen. Dunkle Wolkenberge verdeckten den Nachthimmel, verschleierten den sternenübersäten Himmel. Der Donner rollte über das freie Land, durch den Wald, über Seen und Bäche und versetzte manche der Bewohner in Angst und Schrecken. Voller Panik flohen sie in ihre Unterschlüpfe, sich zu verstecken vor dem grauenhaften Donnern und den Blitzen, die ihm voran gingen.
Die blauen Augen der weißen Fähe sahen traurig die regenverschleierte Umgebung an, als wäre sie dem Tode geweiht. Doch nur sie fühlte sich, wie tot. Von Caves fort zu sein, war das Schlimmste, was Kayra sich vorstellen konnte – nun ja, fast. Ihre Schritte trugen sie über den matschigen Waldboden, immer fort von der geliebten Schwester wie es schien. Wie konnte es bloß sein, dass sie so dumm war? Wie konnte es sein, dass sie Caves einfach verlassen hatte? Hätte sie nicht wissen sollen, wie damit umzugehen war? Aus Ärger über die ganzen Fragen in ihrem Kopf, stampfte die Weiße mit der Vorderpfote auf. Matsch flog hoch, beschmutzte ihr reines Fell. So rein, wie das meine., sprach die Stimme der Mutter in ihrem Kopf und erinnerte sie daran, was sie war. Sie war ein Himmelswolf! Reichte das denn nicht um unfehlbar zu sein? Vermutlich nicht. Eigentlich schade.
Die Seelenspiegel richteten sich gen Himmel. “Mutter, was soll ich bloß hier ohne Caves tun?“, fragte sie in die schwarze der Nacht, die nur ab und an von einem hellen Blitz zerrissen wurde. Die einzige Antwort, die Kayra bekam, war ein tiefes Grollen des Donners. Gequält schloss sie die Augen und schüttelte das hübsche Haupt. Besinn dich auf das was du bist, Kayra., sprach eine unbekannte Stimme zu ihr. Vermutlich war sie nur eine Ausgeburt ihrer Fantasie, doch sie half ihr manchmal, sich selbst erneut zu finden. Ihre Aufgabe war es, ein Zuhause für sich und ihre Schwester zu finden und so würde sie ihre Suche fort setzten. Voll neuem Mut hob die weiße Fähe den Kopf. Die klaren himmelblauen Augen richteten sich auf die Landschaft. Sie war fest entschlossen ein Rudel zu finden und was entschlossen war, wurde getan.
Die dreckigen Pfoten trugen sie rasch voran. Das Geräusch das der Boden beim aufkommen ihrer Pfoten machte kündigte von ihrer Ankunft in diesem Teil des Waldes. Alle durften erfahren, dass ein Himmelswolf in diesem Teil des Landes war. Sie würden ihr nichts antun, wenn sie schlau genug wären. Obwohl Kayra sich im Klaren darüber war, dass Caves verärgert sein mochte und sie sich getrennt hatten, wusste sie um die Liebe, die sie beide verband. Caves würde sie rächen, sollte jemand es wagen, ihr etwas anzutun. Doch niemals würde sich Kayra kampflos geschlagen geben. 6 Winter Erfahrung machten einen Himmelswolf zu keinem leichten Gegner. Ein törichter Wolf müsste es sein, der einen solchen versucht zu töten. Doch was gab es überhaupt für einen Grund dies tun zu wollen? Die Angst vor dem Göttlichen, den höheren Mächten? Wohl kaum.

War dort nicht irgendwo ein Geräusch? Die Ohren der Weißen spielten umher, um das Geräusch auszumachen. Ein kleiner Schatten bewegte sich im Regen auf sie zu. Mit aufrechtem Kopf und freundlichem Ausdruck in den Augen blickte die Fähe den Jungwolf an. Der Regen verschleierte die Farben seines Fells, ließ auch sie fast grau wirken. Doch um zu erkennen dass er jung war, brauchte es nicht viel. Schon so vielen jungen Wölfen war Kayra begegnet und jeder hatte etwas an sich, dass ihr Herz eroberte. Liebevolle Worte hatte sie ihnen zugeflüstert, ihre gutgläubigen Stimme gehört, wie sie erzählten, was sie erlebt hatten. Oh, wie unschuldig sie doch waren und nichts von Leid und Tod wussten. Die erste Zeit eines Wolfslebens war wahrlich die Unbeschwerteste. Und so hoffte die Schneeweiße, dass es diesem jungen Wolf, der geradewegs auf sie zusteuerte, genauso ging.

{allein im Wald // denkt // bittet ihre Mutter um Rat // läuft weiter // MEO AMAROK}

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by icewolf
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Ramyla


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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Mo Aug 20, 2012 7:28 am

xx I'm the rainbow in your jail cell
All the memories of everything you've ever smelled
Not alone, I'll be there
Tell me when you want to go
xx


    Irgendjemand war da. Es gab mehrere Möglichkeiten, warum er sich nicht zeigte. Die, auf die Ramyla hoffte, könnte sich im schlimmsten Fall als reine Naivität erweisen: Vielleicht war der Fremde nur zu feige. Vielleicht - und das war im Gegensatz zu dieser harmlosen Möglichkeit die schlimmste Befürchtung - war es aber auch einer der… anderen. Ein Feind. Entweder ein Späher Mikas oder gar der Hundesohn selbst. Es hatte keinen Sinn, sich den Kopf zu zerbrechen. Sie mussten nun erst einmal zu Blake. Im Schutze der Nacht würde sie den unbekannten Wolf kaum entdecken, wenn dieser unerkannt bleiben wollte.
    Ramyla schnaubte und klappte unruhig die Ohren nach hinten. Inzwischen tröpfelte es bereits deutlich und das Fell der Beta knisterte beinahe durch die Spannung, die in der Luft lag - kurz bevor ein Blitz die Nacht durchschnitt. Reglos verharrte Myla, bis sie den Donner grollen hörte und unwillig den Kopf senkte. Eigentlich mochte sie Gewitter, aber im Moment ging hier alles drunter und drüber. Das Wetterchaos war da ganz bestimmt nicht förderlich. Außerdem… hoffentlich waren die Welpen in Sicherheit. Die Angst einer besorgten Mutter pulsierte kurz durch Ramylas Körper, bevor sie einen Blick über die Schulter zu der fremden, schweigenden Wölfin warf. Diese würde folgen. Und wenn nicht…
    Mit festen Schritten lief die Wölfin los. Ihr Gefühl wies ihr den richtigen Weg, auch wenn sie die Orientierung etwas verloren hatte. Die ungefähre Richtung konnte sie dennoch bestimmen und so fand sie ihren unsichtbaren Pfad unter den schwarzen Baumkronen entlang, welche sie nur teilweise vor dem Regen schützen konnten. Der Donner grollte durch die Dunkelheit, als wollte er die Verwirrung in Ramyla noch unterstreichen. Im Moment hielt die Fähe jedoch irgendwie in Schach. Sie hatte jetzt erstmal ein Ziel vor Augen: Die Nomadin zum Alpha bringen. Darauf konzentrierte sie sich nun.
    Zwischendurch erhellte ein Blitz die Szenerie und das erschwerte die Sicht. Auch auf Gerüche konnte man sich nicht mehr verlassen, der prasselnde Regen wusch diese aus der Luft und der Donner hallte in Ramylas Ohren wider. So wäre sie beinahe an Blake vorbeigelaufen. Schließlich entdeckte sie doch noch die graue Gestalt neben der hellen von Kartane. Myla trat an den Alpha heran und stupste ihn leicht an der Schulter.

"Blake… ich hab' eine Nomadin aufgegabelt. Scheint nicht gefährlich zu sein und bevor sie Mika vor die Schnauze rennt…"

    Die Beta ließ den Satz unbeendet und zuckte fast müde mit den Ohren. Aufgabe erfüllt, sie hatte die Fremde abgeliefert. Was nun? Nach den Welpen suchen? Die wenige Kraft, die sich in ihr aufgebaut hatte und die vom Wunsch herrührte, ihren Job zu machen, schien mit einem Schlag aus ihrem Körper zu weichen. Na toll. Am besten, sie suchte sich irgendeinen Ort, der weit genug vom Rudel entfernt war, dass… dass was? Dass sie niemand sah, dass niemand folgte.
    Einmal noch kratzte Ramyla ihre Reserven zusammen, nickte Blake mit gespielter Ruhe zu und wandte sich ab. Sie überprüfte nicht einmal, ob sonst noch jemand in der Nähe war, zumal das kaum möglich gewesen wäre. Sie wollte nur weg - wieder mal. Ihr Lauf wurde schneller, sobald sie die anderen Wölfe hinter sich gelassen hatte, die Wölfin rannte durch den Regen, als könnte die Tropfen im Gegenwind ihr die Gedanken aus dem Kopf spülen. Wie lange, wusste sie dann nicht mehr. Ob es zehn Schritte gewesen waren oder tausend - bis sie gegen einen Widerstand in der Dunkelheit stieß.
    Wie hätte Ramyla das Hindernis auch wahrnehmen sollen? Schwarzes Fell in schwarzer Nacht, blind von Regen und Tränen. Es war ein Wunder, dass sie nicht gegen irgendeinen Baum gelaufen war - aber es war etwas Weiches, Lebendiges, vor dem sie erschrocken zurückwich und das sie dann blinzelnd zu erkennen versuchte. Mit klopfendem Herzen, das beinahe noch den Donner zu übertönen schien, starrte Ramyla die nächtliche Gestalt vor ihr an. Obwohl es wohl keinen Sinn hatte, schloss sie die Augen und atmete tief ein, kostete die Regenluft. War der Hauch eines bekannten Geruchs darin nur Einbildung? So schmerzlich vertraut…
    Reglos verharrte die Wölfin im Regen und einen unbemerkten Moment lang schien das Gewitter um sie herum auszusetzen, schien alles still zu sein. Sie wusste, wer da war. Wusste es, ohne dass sie die hellen Augen sehen, den Geruch wahrnehmen, die Stimme hören musste.
    Wusste es einfach, indem sie auf ihr klopfendes Herz lauschte.

xx lost in the rain ~ Samir xx

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Kalucy


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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Di Aug 21, 2012 4:24 am

xx Little soul, be not afraid
Though thunder explodes and lightning flash
Illuminates your tear-stained face
Is anyone here tonight?
xx


    Es kam Kalucy so vor, als würde gleich irgendetwas passieren - irgendetwas, worauf sie nicht gefasst war. Etwas Schlimmes. Unbestimmte Vorahnungen dieser Art überfielen den Welpen ab und zu und auch wenn diese sich meistens als vollkommen unbegründet und dumm herausstellten, fiel die kleine Schwarze in eine Art Loch. Eine Trance, wenn man es so wollte. Vielleicht war sie auch einfach von der ganzen Situation überfordert. Mama Myla ging es nicht gut und Kalucy hatte keine Ahnung, wo sie war… dann war da noch dieser fremde weiße Wolf, von dem sie nicht wusste, was er wollte. Das schien niemand zu wissen, nicht einmal Cabezan.
    Cabezan. Wenigstens ein Halt. Kalucy besann sich, so gut es eben ging, und blickte zu dem grauen Rüden auf. Beinahe mit so etwas wie Ehrfurcht. So, wie man zu einem großen, mächtigen Beschützer aufsieht, der die Angst ganz klein und lächerlich werden ließ. Die Angst, die ihre Quelle irgendwo in der Ungewissheit hatte. War der fremde weiße Rüde der Auslöser? Unsicher schielte Kalucy in die Dunkelheit. Zu der Gestalt, mit der Cabezan redete, ohne dass Kalucys aufgewirbelter Geist den genauen Worten zu folgen vermochte. Dann sprach der Nebelgraue jemand anderen an. Sharouk. Diesen hatte Kalu bis dahin noch gar nicht bemerkt. Er schien sie aber auch nicht wahrzunehmen und wirkte ziemlich müde.
    Still huschten Kalucys helle Augen zurück zu ihrem großen Aufpasser, der anscheinend zum Rudelplatz wollte. Ein paar Wimpernschläge später setzte das Welpenherz aus. Ein weißer Schatten hatte sich Sharouk geholt! Ein paar Momente lang blieb Kalu zu Tode erschrocken sitzen, bis ihr ganz langsam bewusst wurde, dass es der fremde Weiße war, der ihren Bruder an der Genickfalte hochgehoben hatte. Und zwar nicht, als würde er mit diesem davonlaufen und ihn dann irgendwo fressen wollen. Sondern nur… hilfsbereit? Der Schock saß der Kleinen noch in den zierlichen Welpengliedern, als sie selbst den Boden unter den Pfoten verlor. Doch war es Cabezans behutsamer Fang, der sie sicher trug und Kalucy schloss die Augen. Der Graue, den sie im Stillen zu ihrem Beschützer auserkoren hatte, würde sie aus diesem Chaos hier bringen. Darauf vertraute sie auf einmal.
    Das schwarze Bündel blieb still, während Kalu die fast unmerklichen Erschütterungen durch Cabezans achtsam gesetzte Schritte auf dem Waldboden spürte. Dass es angefangen hatte, zu regnen, registrierte Kalucy gar nicht bewusst. Hinter den geschlossenen Augenlidern erhellte ein Blitz die Nacht und die Kleine zuckte leicht zusammen, ansonsten blieb sie beinahe reglos, während Cabezan sie Richtung Rudelplatz trug.
    Kimba… was war mit Kimba? Sie war… gegangen, oder nicht? Diese Erkenntnis tanzte kurz durch Kalucys Gedanken, bevor sie im Nichts der Resignation verschwand. Sie konnte ohnehin nichts tun. Sie konnte… nie etwas tun. Nur darauf hoffen, dass sie in Sicherheit gebracht wurde - wenigstens hatte sie jemanden, auf den sie diese Hoffnung bauen konnte. Jemanden, der in Kalucys Vorstellung ein unglaublich starker, bewundernswürdiger Wolf war. Dieser starke, bewundernswürdige Wolf dachte zwar über sich selbst vollkommen anders, aber für Kalucys war Cabezan… eben ein Hoffnungsträger. Jemand, der da sein würde.
    Schließlich wurde der Welpe abgesetzt und hob ganz vorsichtig das Köpfchen. Regentropfen fielen auf das schwarze Fell und Kalucy blickte sich orientierungslos in der Gewitternacht um. Jeder Geruch wurde aus der Luft gewaschen und so konnte sie nicht einordnen, wo sie waren. Cabezans Stimme drang durch das stete Prasseln des Regens. Er klang unglücklich und Kalu ließ verzagt die Ohren hängen. Vorsichtig tappte sie zu dem grauen Wolf und lehnte sich an dessen Vorderlauf. Mit nunmehr angelegten Ohren hob sie den Blick und blinzelte durch die Tränen des Himmels zu dem Nebelfarbenen auf.

"Danke… danke, Cabezan."

    Sie hoffte inständig, dass er ihre leise Stimme durch das Gewitter hörte und außerdem verstand, wie wichtig es ihr war, dass er das wusste - wie dankbar sie ihm war. Nach den unsicheren Worten, die jedoch aus tiefstem Herzen kamen, kuschelte sich Kalucy nur mehr still wie so oft an Cabezan, drückte die Stirn gegen das weiche Brustfell und lehnte den Körper weiter gegen den rechten Vorderlauf ihres Beschützers.


xx Cabezan x (Azzardo & Sharouk) xx

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Samir


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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Di Aug 21, 2012 1:15 pm

Zeig mir diese Welt
Bin seit Jahren blind für alles Schöne
Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann wird das schon wieder gut
Hab den Glauben längst verloren
Reden nützt nichts, bin mittlerweile taub auf beiden Ohren
Blind auf beiden Augen, doch seh‘ klarer als der Rest
Lass mich dir folgen einen Moment
Zeig mir diese Welt

Schweigend sah Samir zu, wie die Fähe die letzten Reste seiner Beute fraß. Eine Bewegung in den Augenwinkeln ließen ihn den Kopf zur Seite wenden. Er stellte die Ohren auf und zog die Luft ein. Moira. War sie schon wieder hier? Samir schüttelte den Kopf leicht und runzelte die Stirn. Es wäre wohl besser, zurück zu seinem neuen „Rudel“ zu gehen, bevor sie noch Verdacht schöpften. Die Gedanken daran ließen ihn innerlich wieder erkalten, als wäre ein plötzlicher Winter in seiner Seele angebrochen. Erneut blickte er die Blinde an, die endlich den Kopf hob um ihm auf seine Fragen zu antworten, die schon viel zu lange leer in der Luft standen. Doch bevor sie überhaupt das Wort ergreifen konnte, knurrte er und erhob sich von seinem Platz. Er stellte sich vor sie, so dass sie seine Anwesenheit mehr als deutlich zu spüren bekam.

„Nun Verschwinde hier. Dies ist kein Ort für Blinde wie dich.“


Er beobachtete, wie sie die Ohren an den Kopf legte und mit eingezogener Rute davon trabte, ihren Geruch zurückverfolgend. Der Schwarze atmete aus und blickte sich abermals um. Dann begann auch er seinen Rückweg anzutreten. Zurück zu Mika und zu Nuran und der Weißen. Wenn sie überhaupt noch da und nicht mittlerweile schon andere Wege gegangen waren. Vielleicht wäre es auch für ihn besser, eigene Wege zu gehen. Aber etwas sagte ihm, dass es nicht richtig war. Das er dann etwas unvollständig ließ. Er musste es beenden, ein für alle mal. Er wusste nur nicht wen von seinen beiden Feinden. Auch wenn er sich vorrübergehend Mika angeschlossen hatte, traute Samir ihm in keinen Fall über den Weg. Er traute keinem, nicht einmal seinen eigenen Gedanken. Die Welt war grausam. Vielleicht war bald alles vorbei, dann konnte er ins Paradies und keiner würde ihm noch Steine auf seinen ohnehin schon blockierten Weg werfen. Er spürte, wie der Selbsthass und die Verzweiflung wieder in ihm Oberhand gewann. Er ging stumm an allen Dingen vorbei, als würde er nichts sehen, nichts hören, nichts fühlen. Er ging einfach seinen Weg zurück, spürte wie die Einsamkeit ihn mit jedem Schritt mehr überfiel und verschluckte, wie die Schwärze der Nacht. Dass der Regen des Gewitters anfing sein Fell zu durchnässen spürte er gar nicht. Es war schon kalt, mehr würde da nicht nachhelfen. Obwohl die Blinde ihm eben Gesellschaft geleistet hatte und er deswegen wieder ein bisschen aus sich heraus gekommen war, hatte er sie verscheucht. Er wollte nicht mehr aus sich herauskommen. Dafür war es schon viel zu spät. Es würde nicht mehr lange dauern, dann war alles hier vorbei und was aus ihm wurde … ja, das würde sich dann selbst erschließen. Er war ohnehin nur noch in seinem eigenen, leeren Inneren erwünscht. Da gehörte er auch hin.
Während er stumm weiterlief und das nasse Fell ihm schwer vom Körper hing, berührte ihn auf einmal etwas an der Seite. War er gegen etwas gelaufen? Er blieb stehen und drehte ein wenig den Kopf. Eine kleine Wölfin war gegen ihn gerannt und er wollte gerade einfach weitergehen, als er sie erkannte. Das Gefühl der Erkenntnis und der Wut huschte über seine Gesichtszüge. So oft hatte er sie schon gesehen, geliebt. Sie war in seiner Welt das Schönste gewesen. Doch nun war alles anders. Es war, als sei er blind auf beiden Augen, er konnte nichts Schönes mehr erkennen und falls sie etwas gesagt hatte, konnte er es auch nicht hören. Da war nur das monotone Geräusch des Regens. Er wusste nicht einmal, wie viel Zeit verstrich, bis er endlich realisierte, dass sie ihre Augen geschlossen hielt, als warte sie darauf, dass er ihr die Kehle durchbeißen würde. Er trat zwei Schritte zurück und nahm sie wieder in Augenschein. War sie schon immer so klein und zerbrechlich gewesen?

„Was willst du hier?“

Seine Frage klang kälter als beabsichtigt und er spürte, wie er dadurch seinen Hass und seine Wut abbauen konnte. Ja, sein Selbsthass war schon viel zu lange in ihm. Es tat gut, ihn an jemand anderen auszulassen. Er baute sich etwas vor ihr auf, seine Augen wurden klarer und vor allem wütender und er zog die Lefzen etwas zurück, so dass man deutlich erkennen konnte, dass mit ihm nicht zu spaßen war.

„Hatten die anderen genug von dir? Wollten sie sich nicht mehr dein Selbstmitleid anhören?“


Ja, es war gemein. Und ja, er fühlte sich schlecht. Doch die Welt war egoistisch und jeder dachte doch nur an die eigenen Probleme. Was kümmerte es ihn also, wie dreckig es Ramyla ging? Hatte sich je jemand für ihn interessiert? War es nicht immer nur er gewesen, der den anderen Wölfen zugehört hatte, ihnen Mut gemacht hatte und Mitleid schenkte? Ja! Es war verdammt noch mal immer nur er gewesen, aber dass er sich selber dreckig fühlte, sich hasste, das hatte nie jemand gemerkt, nicht einmal seine Gefährtin, von der er gedacht hatte, dass wenigstens sie ihn kannte. So leicht konnte man sich täuschen. Er hatte es satt, immer nur für die anderen da zu sein, während er selbst verreckte und die anderen nur über ihr eigenes Leid Tränen vergossen. Er konnte nur darüber lachen. Ihre Probleme waren im Gegensatz zu seinen lächerlich. Er wollte das alles nicht mehr. Samir hatte sein Gesicht für die Welt schon längst verloren, es lag zerschmettert und vergraben unter der Erde, so dass niemand es finden wollte.
Sein Blick bohrte sich in den von Ramyla und er spürte, wie gequält sie war. Hatte sie einen Grund dazu? Hatte sie überhaupt jemals an ihn gedacht? Wenn man es genau aus seinen Augen betrachtete, weinte sie über ihr eigenes Pech und nicht über sein Unglück. Sie wusste nicht einmal wie er sich fühlte. Es hatte sie nie interessiert. Es verband sie nur noch die gemeinsamen Welpen, dessen Namen ihm in dem Augenblick nicht einmal mehr einfielen.

„Die Welt ist egoistisch, nicht wahr“,

quetschte er zwischen seine zusammen gepressten Kiefern leise hervor, während seine Ohren sich an den Hinterkopf legten und seine Augen Funken sprühten.

[Ramyla || Außerhalb]

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Gestern stand ich noch am Rande des Abgrunds.
Heute bin ich schon einen Schritt weiter.
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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Mi Aug 22, 2012 6:02 am

Schweigen, Stille. Nur die Regentropfen und gelegentliche Blitze durchbrachen sie. Angst hatte Sid nicht. Ihre Familie war bei ihr. Durch irgendeine Art und Weise sahen sie die Beigefarbene, so dass sie sie jederzeit abholen konnten, wenn ihre Zeit gekommen war. Und so trottete sie tapfer hinterher. Bis sie zwei weitere Wölfe in der Dunkelheit ausmachen konnte. War einer von ihnen der Alpha? Offensichtlich, denn die fremde Fähe sprach eine der gestalten im Dunkeln an und verschwand darauf im Wald. Sideka hielt den Kopf nicht aufrecht, sondern leicht unten. Eientlich war es Unsicherheit, doch es hätte auch vom Regen her sein können. Ihre Ohren waren zur Seite hin angelegt, wodurch sie zeigte, dass sie keine Bedrohung war, sich aber auch nicht angreifen ließ. Der gefährliche Punkt war erreicht worden. Einen Spurt zurück könnte sie vielleicht schaffe, wenn sie angegriffen werden würde. Denn ihr Bein schmerzte mittlerweile leicht. Sie hatte es die letzten Tage zu sehr belastet und brauchte eigentlich eine Pause. Aber wenn diese zwei Wölfe sie fortjagen würden, bräuchte sie Glück. Das wusste sie jetzt schon. Wenn die Fremden sie hartnäckig bis zum Äußersten zum Rand des Reviers jagen würden, würde Sideka keine Chance haben. Ihr Bein würde rebellieren.

Im Dunkeln lauschte sie auf jedes Geräusch, versuchte jede Bewegung auszumachen. Ui im Dunkeln... Die anderen waren durch ihr Fell doch rehct gut getarnt. Sie hingegen war hell und im Dunkeln leichter auszumachen. Beinahe wie eine Fackel für Augen, die an die Dunkelheit gewöhnt waren. Hoffentlich würde dies einer der milder gestimmten Empfänge werden.

[Blake I Kartane I beobachtet still]
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Ramyla


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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Do Aug 23, 2012 12:01 pm

xx The one I love
Drowning me in my dreams
The one I love
Over and over again
Dragging me under
xx


    Sie hatte es sich ausgemalt, hatte es sich gewünscht… hatte sich danach gesehnt, ihn noch einmal bei sich zu wissen. Die schwarze Gestalt zu sehen… und sie war da gewesen, ein Schatten im Regen. Ramyla hielt die Augen dennoch geschlossen, als könnte sie das Bild dadurch festhalten. Ein Teil von ihr fürchtete, sie hätte es sich nur eingebildet - ein anderer Teil gab zu bedenken, dass die dunkle Gestalt längst schon wieder verschwunden sein könnte, um Abstand von ihr zu halten. Eigentlich war die größte Angst jedoch, dass der Regenschatten bleiben könnte. Bleiben und ihr Dinge sagen, die sie wusste, die sie viel zu gut wusste…
    Reflexartig duckte sich Ramyla noch etwas weiter, als sie die Stimme hörte, die sie einerseits herbeisehnte und von der sie andererseits genau gewusst hatte, dass sie weh tun würde. Das war egal. Sie lauschte, obwohl ihre Ohren flach an den Körper gepresst waren. Sie lauschte auf die Regenstimme und die harten Worte, auf die sie gewartet hatte. Es tat weh, ja, aber es war nicht mehr dieser dumpfe, alles untermalende Schmerz - es war ein Schmerz, der eigentlich keiner war. Es war ihre Welt, in diesem Moment. Nur die Stimme und sonst nichts. Es war ihre Welt und es war eine sehr, sehr dunkle.
    Samir war verletzt. Wie lange schon wusste sie nicht. Sie wusste nicht, wie es ihm ging - sie wusste es nicht, sie fühlte es nur. Warum? Warum, verdammt?! Warum… wer… was… hatte Samir wehgetan? Und warum hatte sie es nicht gemerkt? Warum war sie nicht da gewesen, um dieses Etwas zu zerfetzen, bevor es Samir weh tun konnte? Da war so viel gewesen, in letzter Zeit… es war ganz plötzlich alles zu viel gewesen. Aber sie hätte trotzdem da sein müssen, das wusste sie. Und es war egal, wenn Samir sie nicht mehr ausstehen konnte, sie wollte nur wissen, was es war, das ihn… so auffraß, dass sie seine Stimme kaum mehr erkannte. Aber es war seine Stimme und damit ihre Welt.

„Die Welt ist egoistisch, nicht wahr“

    Die Welt… Ramyla wusste nichts über die Welt. Weder über die, in der die anderen lebten, noch über ihre eigene. Sie hatte den Weg zu ihrer Welt verloren, ohne es überhaupt zu merken, und war nun gefangen in irgendeiner Zwischenwelt, aus der sie weder die eine, noch die andere erreichen konnte.
    Es war gut, dass es regnete. Die kleine Fähe blinzelte in die Gewitterschatten und merkte, dass sie… lächelte. Lächelte? Aus irgendeinem Grund, sie lächelte sie tatsächlich still vor sich hin, während die Regentropfen ihre Tränen mit sich nahmen.

"Nein… die Welt ist wunderschön - nur verletzt…"

    Flüsterte Ramyla durch den Regen und wusste, dass niemand ihre Worte verstehen würde. Aber ihre Welt war verletzt worden. Und was auch immer es gewesen war, es konnte ihr nicht entkommen… ihr, ihrem Hass und ihrer Liebe.

"Sa… Samir, ich will nicht… Du musst dir jetzt keine Entschuldigungen anhören. Du musst mich nicht einmal ansehen, oder mit mir reden. Doch… doch eines - eines musst du. Du musst mir sagen, was… meine Welt verletzt hat. Was dich verletzt hat."

    Die letzten Worte waren nur mehr ein schwaches Wispern und vielleicht waren Teile der Sätze im Gewitter untergegangen. Hoffentlich hatte Samir es gehört… und hoffentlich glaubte er ihr. Es war eine letzte, traurige, vielleicht vergebliche Hoffnung. Trotzdem. Was hatte Ramyla denn noch zu verlieren? Sie war an dem Punkt angelangt, an dem sie sich Wunschträume schuf, um wieder etwas zu haben, auf das sie irgendwie hoffen konnte. An dem Punkt, an dem nichts anderes als verzweifelte Hoffnung die Fähe im Regen auf eine Antwort warten ließ.


xx Samir xx

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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Fr Aug 24, 2012 6:55 am

Es blitzte und grollte und bebte. Der Himmel schien entzwei zu brechen, um wie eine gigantische Flutwelle alles unter sich zu begraben. Wolken krachten aufeinander, splitterten und zuckten in hellblauen Lichtern durch die Nacht. Immer eindringlicher trommelte der Regen auf Meos noch schmächtigen Körper, als wollten sie ihn zu Boden ringen. Doch der Jungwolf gab sich mutig, ließ die Rute nicht hängen und kämpfte sich durch die zitternde Landschaft. Den Pelz hielt er gesträubt – so fern das unter den herab kommenden Wassermassen möglich war. In ihm kämpfte der starke Drang sich zu verkriechen um Aufmerksamkeit, zeigte sich in Form von einem Mischlaut zwischen Winseln und Knurren. Es war zu gefährlich. Und er war allein. Sein Magen jedoch war anderer Meinung. Im hinterhältigen Zusammenspiel mit seiner Nase führte er den Jungwolf auf verlockende Irrwege. Gerüche stiegen ihm in die Nase, die ihn zum Träumen brachten. Ein verletztes Reh, manchmal sogar ein ganzer Bär, selbst ein Mäusschen bereitete ihm Freude. Schon lange war er keiner größeren Beute mehr begegnet – bei diesem Unwetter war die Jagd ein schier unmögliches Unterfangen.

Aber dann trieb ihm ein anderer Geruch in die Nase. Etwas Zartes, Feines, das unter dem Regen zu ersticken drohte. Nur hauchdünn wehte ihm der Duft entgegen, sodass er allen Grund hatte, seine Wahrhaftigkeit anzuzweifeln. Ein Trugbild, ein weiteres Hirngespinst, so sagte er sich, lief weiter und achtete nicht weiter darauf. Doch – ganz schwach – konnte er wahrnehmen, wie seine Fantasie sich tiefer in seine Gedanken grub, ja ihm tatsächlich den Geruch einer fremden Fähe vor die Pfoten warf, der mehr und mehr zu nahm, umso weiter Meo ging. Als ein weiterer Blitz alles zu zerreißen schien, und die einzelnen Fäden in wildem Geröll um sich schlugen, unterdrückte sich der Jungwolf ein Zusammenzucken, im Gegenteil. Er verharrte so still wie nur möglich - was keine besondere Herausforderung darstellte in Anbetracht der Umstände. Den Kopf hob er gen Himmel. Dicke Tropfen straften ihn augenblicklich. Schnell senkte er den Blick wieder zu Boden und drückte die Lider aufeinander, bis der kurzzeitige Schmerz erloschen war. Er schüttelte sich angewidert und sah dann wieder hinauf. Und da stand sie vor ihm – eine Wölfin, wie sie im Buche steht. Der Pelz weißer noch als er Schnee im Winter, der Körper schlank und wohl geformt, die Augen von einem lieblichen Blau.

Doch etwas trübte die Vollkommenheit, zeichnete sich wie die Blitze am Himmel dunkel und nicht zu übersehen hindurch. Meo aber, er, der er noch reichlich an Erfahrungen sammeln musste, erkannte nicht die Zweifel, nicht die Trauer, die schwer auf den Schultern dieser Wölfin lagen. Seine Reaktionen kamen verzögert. Er spitzte die Ohren, wie als warte er auf einen Laut ihrerseits, duckte den Kopf, in aufmerksamer Beobachtung, und hob ihn dann wieder. Ihr Duft drang nun beinahe ungehindet an seine Nase, süßlich. Einerseits sagte ihm etwas, die Brust heraus zu strecken und seine Dominanz zu zeigen. Tat man das nicht so, Fähen gegenüber? Doch seine kindliche Seite gewann. Aufgeregt und erfreut trappelt, ja hüpfte er fast hinauf und hinab, ließ die Zunge über die Lefzen fahren und winselte in keineswegs kläglichem Ton. Die Rute wedelte dabei, wie um das Glück der endlichen Zweisamkeit zu unterstreichen, hin und her. Er stupste die Fremde mit gesenktem Kopf gegen die Schnauze, drückte den Brustkorb dann spielerisch zu Boden, das Hinterteil in die Luft gestreckt, die Rute noch immer hin und her federnd. Ein herausforderndes Wuffen entkam ihm und schon hüpfte er wieder auf alle Viere, um in wilden Kreisen um die Wölfin herum zu tänzeln. Zu groß war die Freude darüber, endlich einen Artgenossin gefunden zu haben.

[bei Kayra]

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Lonato


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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Sa Aug 25, 2012 4:11 am

Etwas verständnislos betrachtete Lonato die junge Fähe und den kleinen Rüden, der sie gefunden hatte – oder sie ihn, man konnte sich bei Erzählungen von Sachi ja nie ganz sicher sein, was sie meinte. Der Fremde schien nicht gefährlich zu sein. Außerdem war er ein gutes Stück kleiner als der sowieso schon kleine Schwarz-Braune. Sein Name schien Cassian zu sein, denn so hatte er sich vorgestellt. Doch erst als er sich vorgestellt hatte, hatte Lona ihn überhaupt bemerkt.
“Ahh...“, gab er von sich, obwohl ihm bewusst war, wie wenig geistreich dies war. Dann aber wandte er sich vorerst an Cassian, der seinen Namen hatte erfahren wollen. “Mein Name lautet Lonato. Wenn ich fragen darf, nach was genau suchst du denn? Eventuell könnte ich behilflich sein.“ In einem höflichen Plauderton sprach der Rüde zu dem Fremden und beobachtete ihn dabei ganz genau. Cassian war fremd und nicht einzuschätzen, obwohl Sachi soviel erzählt hatte. Sie war bei solchen Sachen einfach nicht besonders hilfreich, aber das brauchte sie auch nicht zu sein. Allerdings hatte der fremde Rüde sich schon ein wenig Vertrauen verdient, denn er hatte der Jungwölfin nichts getan und sie mit Ruhe ertragen. Lonato wollte sich gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn Sachi auf einen Wolf wie Mika getroffen wäre. Es wäre vermutlich nicht gut für sie ausgegangen. Umso glücklicher war der 4-jährige nun darüber, dass sie ihm vor die Pfoten gelaufen war und er würde sie auch bestimmt nicht wieder aus den Augen lassen, solange die Gefahr bestand, dass sie Mika treffen konnte.

{SACHI && CASSIAN # denkt # spricht mit Cas # denkt nach}

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by icewolf
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Kayra


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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Sa Aug 25, 2012 4:38 am

Noch immer erhellten Blitze den nächtlichen Himmel und die Donner folgten ihnen grollend, doch der junge Rüde, dem die Weiße begegnet war, ließ dies alles in den Hintergrund treten. Erst als er schon ganz nah war hatte er sie bemerkt. Doch gegen die Erwartung, die Kayra gehabt hatte, war der Kleine voller Freude, als er sie erblickte. Manch anderer junger Wolf wäre vor Angst einem Feind gegenüber zu stehen, vor Angst stehen geblieben und hätte beobachtet, wie es sich weiter entwickelte. Doch nicht so dieser junge Wolf. Als wäre sie eine alte Freundin von ihm stupste er sie an, beltte sie spielerisch an und hüpfte um sie herum. Ein Lächeln legte sich auf das Gesicht der Fähe und ihre blauen Augen hellten sich auf. Wie wunderbar die Kindheit war. Solche Naivität konnte man sich jedoch nicht überall leisten. Es tat ihr leid, um diese Eigenschaft, die die Jungen besaßen und mancher Wolf noch als Ausgewachsener, doch sie war nicht besonders hilfreich im Leben. Sie würde es den Jungwolf lehren, wenn er keinen anderen Lehrer hatte, doch nicht heute. Seine unbändige Freude über sie, berührte sie im Herzen.
Sanft streckte die Weiße sie Schnauze aus um den kleinen Wirbelwind in seinem Freudentanz zu stoppen. Sacht stupste sie ihn an die Schulter und sah ihn mit liebevollem Blick an.

“Wie heißt du, mein junger Freund? Mein Name ist Kayra.“

, sprach sie zu dem Jungen und legte den Kopf leicht schief, um die Frage zu unterstreichen. Sie war schon jetzt vollkommen vernarrt in diesen jungen Wolf und verspürte einen derartigen Beschützerinstinkt für ihn, dass es sie schon fast ein wenig wunderte. Doch sie war nun einmal nicht wie ihre Schwester, die den Kleinen vermutlich ignoriert oder verscheucht hätte. Kurz war Kayra froh, Caves in diesem Moment nicht an ihrer Seite zu haben. Doch sie liebte ihre Schwester und verscheuchte diesen Gedanken schnell wieder. Wie konnte sie so etwas bloß denken? Caves hätte nichts getan, was sie verärgert hätte... Oder? 'Nein, das hätte sie nicht getan.', redete sich die weiße Fähe ein, doch in diesem Moment war sie sich wirklich nicht sicher, zu was ihre Schwester fähig war. Ja, sie war oft wenig liebenswürdig ihr gegenüber, doch trotz allem schenkte Kayra ihr die Liebe, die sie als ihre Schwester verdient hatte.

{MEO AMAROK // in Gedanken}

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Kartane


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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Sa Aug 25, 2012 11:08 pm

Mit einem sanften Blick sah Kartane Blake an und lauschte seinen Worten. Das Band zwischen ihm und Ramyla schien stark zu sein – oder war es zumindest einmal gewesen. Es lag Trauer in seinen Worten und das schmerzte auch der Weißen. Sie wollte nicht, dass es ihm schlecht ging. Sie wollte ihm Halt geben und ihn stärken. Der Graue lag ihr zu sehr am Herzen, als dass sie dies alles nicht wollte. Liebevoll stupste sie ihn mit der Schnauze an und schenkte ihm einen aufmunternden blick. Die richtigen Wortefand sie im Moment nicht, doch sie wollte ihm zeigen, dass sie ihn verstand. Dann genoss sie seine Berührung und setzte sich ebenfalls in Bewegung, als er lostrabte. Ihre Ohren zuckten aufmerksam hin und her, als Blake wieder sprach. Sie liebte den Klang seiner Stimme und hätte stundenlang zuhören können.

„Ich danke dir. Ich weiß, wie Mika sich verhält, auch wenn ich ihn erst seit kurzer Zeit…kenne“


antwortete sie leise und ließ seine Worte in sich sinken. Verlieren wollte sie ihn auch nicht – nicht um alles in dieser Welt. Sie wollte an seiner Seite bleiben. Denn dies war ihr Platz.
Die immer wieder auftauchenden Blitze waren so plötzlich und unerwartet gekommen, dass die Weiße kurz zusammenzuckte. Mit einem Gewitter hatte sie nicht gerechnet. Diese Nacht erinnerte sie an den Charakter Mikas. Grausam und dunkel. Ein Charakter, dem man nicht sonderlich gerne begegnete. Doch Kartane verwarf diesen Gedanken schnell wieder. Sie wollte nicht an den grausamen Alten denken – nicht jetzt. Sie konzentrierte sich wieder auf ihre Umgebung und nahm eine Geruch wahr, welcher ihr bekannt vorkam. Nur konnte sie ihn nicht zuordnen. Auch Blake hatte ihn allem Anschein nach wahrgenommen, denn schon erklang seine Stimme, gefolgt von einem dunklen Knurren. Er hatte sich vor die Fähe geschoben, doch Tane erkannte ein Fell so weiß wie ihr eigenes. Der Regen prasselte unfreundlich auf sie hinab, doch sie hatte bereits erkannt, wer vor ihnen stand.
„Nuray“ fragte sie vorsichtig und trat an Blakes Seite. Die Fähe war eine alte Freundin von ihr und so musste sie sanft lächeln. Eine Antwort vernahm sie – doch sie kam nicht aus dem Fang der anderen Weißen. Es war die Stimme Ramylas. Sie hatte sich auf der anderen Seite des Grauen positioniert und erstattete Bericht. Aufmerksam folgte Kartane den Worten. Eine Nomadin war also unterwegs. Es schien, als sei die cremefarbene Fähe, welche Tane jetzt erst bemerkte, die Besagte. Ramyla hatte zwar gesagt, sie sei nicht gefährlich, aber dann konnte man sie immer noch ins Rudel aufnehmen, falls das Interesse auf beiden Seiten bestand. Neugierig warf die Weiße ihr noch einen Blick zu, denn ihr fiel auf, dass das rechte Hinterbein fehlte. Dennoch wollte sie nicht starren und wand sich wieder ab.
Kartanes Blick hing daraufhin zwischen Nuray, Blake, Ramyla und der Neuen. Der Regen erschwerte hier und da die Sicht, und das laute Grollen des Donners verschluckte so manches Wort. Doch Kartane blieb aufmerksam. Sie achtete auf alles – für den Fall der Fälle Mika sollte auftauchen und einen Streit suchen. Bei ihm konnte man immerhin nie wissen.


{ BLAKE || folgt || erkennt NURAY || RAMYLA & SID }

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I don't wanna hear the bad news when I was a little girl In front of the mirror I couldn't understand a thing There were tears falling down my cheeks no matter How much, I washed my face, I couldn't wash my soul.

Blake.
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BeitragThema: Re: Kapitel 6 - Zwiespalt   Di Aug 28, 2012 12:24 am

Nuray erstarrte. Verdammt! Wieso konnte sie nicht einmal besser aufpassen was sie tat? Die Fremden könnten immer noch verrückt sein und ihr an die Kehle springen. Und was war mit Mikas Gerede das dieses Rudel völlig Chaotisch war? Egal. Es gab kein zurück mehr, sie musste sich den beiden Stellen. Weiterhin blieb Nuray erstarrt und versuchte sich nicht zu Bewegen. Die Worte des grauen Rüden waren scharf und verständlich. Es war klar, Nuray hatte es vermasselt. Der Himmel grollte und daraufhin stürzte sich ein Blitz auf die Erde. Plötzlich wehte eine Windböe einen vertrauten Geruch zu Nuray. Irgendwie kannte die weiße Fähe diesen Geruch aber sie konnte ihn nicht Einordnen. Nuray war immer noch angespannt und schaute langsam hoch, so das sie die Wölfe sehen konnte. Überrascht blickte Nuray auf und vernahm die Worte der anderen Fähe.

,, Kartane!''

Schoss es ihr aus ihrem Fang. Nuray blinzelte als der Regen ihr ins Gesicht regnete, schließlich ging die Fähe aus dem Gebüsch und sah Kartane und den fremden Rüden eine weile an. Oh wie lange hatten sie sich nicht mehr gesehen? Es war bestimmt eine Ewigkeit her. Doch schnell machte sich Nuray über etwas anderes sorgen. Kartane war ihre Freundin, doch wie sollte sie ihre gespielte grobe Art weiter spielen? Schließlich konnte Nuray doch nicht so mit Ihr reden. Das würde sicher noch ein Problem werden. Aber wie sollte es zu einem Problem werden, wenn sie beide verschiedene Rudeln angehörten? Darüber müsste sich die Fähe also keine Gedanken machen... Hoffentlich. Oh... Ähm.. Es tut mir Leid, ich dürfte gar nicht hier sein... Aber ich habe einige Dinge über das Rudel gehört die – die ja... weniger Nett waren. Und ich wollte mir selbst ein Bild machen, aber das ging ja nach hinten los.'' Bitte? So würde Nuray sicher nicht Antworten! Da würde sie ja wie ein Welpe Stammeln. Das kommt für die weiße nicht in frage.

,, Entschuldigung, ich dürfte nicht hier sein aber nachdem was ich über dieses Rudel gehört habe, wollte ich mir selbst ein Bild machen. Schließlich war das ja nicht gerade nett was man so hörte. 'tschuldigung.''

Antwortete Nuray und sah den grauen Rüden an. Reue verspürte sie nicht. Schließlich hatte sie dadurch ihre Freundin wieder gefunden. Wieder grollte der Himmel laut auf und wieder suchten sich Blitze einen Weg auf die Erde. Was sollte sie als nächstes machen? Nuray würde ja schlecht auf sie zukommen und grob etwas erzählen was sie gehört hatte. Und Weglaufen würde ja völlig dämlich und peinlich aussehen. Also Warten. Das war das beste was sie jetzt machen konnte. Insgeheim hoffte Nuray das sie heil davon kommen würde, schließlich gehörte sie einem anderen Rudel an. Und das war das Rudel von Mika. Falls Nuray sich nicht irrte war der graue Rüde der Feind von Mika. Na super. Ein toller Start im Leben von Nuray Sayari. Kein Fettnäpfchen würde die Fähe auslassen, das war ja keine Überraschung...

(( Bei BLAKE; KARTANE; ))
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Kapitel 6 - Zwiespalt

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